01 Auch wer Agenten baut, muss manchmal davon abraten
Sebastian Mueller ist Mitgründer von MING Labs.[S5] Er baut KI-Agenten. Trotzdem beschreibt er in einem öffentlichen Beitrag viele Anfragen danach als unpassend: Hinter manchen stecken feste Regeln, hinter anderen gelegentliche Aufgaben, die eine Person mit einem KI-Werkzeug erledigen könnte.[S1]
Vor der Projektfreigabe lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf die Arbeit. Nehmen Sie eine einfache Aufgabe: Ein freigegebener Auftrag soll in ein anderes System übertragen werden. Sind Auslöser, Felder und Prüfungen bekannt, lässt sich der Ablauf vorgeben. Wenn ein Modell diesen Ablauf frei wählen darf, bekommt es eine Entscheidung, die für die Aufgabe womöglich gar nicht nötig ist.
Bei einer Recherche kann das anders aussehen. Das erste Dokument beantwortet vielleicht die Frage, widerspricht einer anderen Quelle oder zeigt eine Lücke, die eine neue Suche verlangt. Was als Nächstes sinnvoll ist, ergibt sich aus dem bisherigen Ergebnis. Hier lohnt es sich, einen Agenten zu prüfen. Offen bleibt die betriebliche Frage: Entsteht durch diese Flexibilität Arbeit, die Ihr Team tatsächlich nutzen kann?
02 Entscheidend ist, wie der nächste Schritt gewählt wird
Anthropic unterscheidet technisch zwischen vorgegebenen Abläufen im Code und Agenten, bei denen ein Modell Vorgehen und Werkzeugnutzung dynamisch steuert. Ein Workflow kann also KI enthalten. Ein Agent kann auch eine einmalige Aufgabe bearbeiten. Der Unterschied liegt darin, wer oder was den nächsten Schritt auswählt.[S2]
Die Tabelle verbindet diese Unterscheidung mit Sebastians Erfahrungen aus dem Betrieb. Sie hilft bei der Auswahl eines Ansatzes für einen Test; sie ist kein Leistungsvergleich.[S1]
| Die Arbeit | Als Erstes prüfen | Die entscheidende Frage |
|---|---|---|
| Bekannte Schritte und klare Regeln | Einen festen Workflow, bei Bedarf mit KI in einzelnen Schritten | Decken Regeln und Prüfungen die Fälle ab, und können sie Ausnahmen weiterleiten? |
| Gelegentliche Aufgaben unter menschlicher Leitung | Eine Person mit einem vorhandenen KI-Werkzeug | Bringt eine dauerhaft betreute Agentenrolle genug zusätzlichen Nutzen? |
| Wiederkehrende Aufgaben, deren Ablauf sich aus den Ergebnissen ergibt | Einen klar begrenzten Agententest | Wählt der Agent sinnvolle nächste Schritte, liefert er prüfbare Ergebnisse und übergibt er bei Bedarf zuverlässig? |
Oft lassen sich die Ansätze kombinieren. Ein fester Workflow könnte Dokumente einsammeln, ein Agent eine offene Frage untersuchen und eine Person das Ergebnis freigeben. Grenzen Sie den Teil ein, der Abwägungen braucht. Die gesamte Prozesskette muss dafür nicht autonom werden.
03 Die volle Warteschlange zeigt nicht immer den besten Ansatzpunkt
Vor der Wahl der Technik steht die Wahl der richtigen Aufgabe. Sebastian berichtet von einem technischen Support-Team mit rund 2.500 Anrufen im Monat. Naheliegend war, das Beantworten der Anrufe zu unterstützen. Die Menschen, die die Arbeit am besten kannten, verwiesen jedoch auf einen früheren Schritt: Vertriebsmitarbeitende leiteten Fragen weiter, die sie selbst nicht beantworten konnten.[S3]
Der Gegenvorschlag war, diesen Mitarbeitenden schon vorher zu helfen. Das ist eine Hypothese über den richtigen Einsatzort, keine gemessene Verringerung der Anrufe. Für einen Test sollten Sie die weitergeleiteten Fragen einordnen und erfassen, welche Wissenslücken dahinterstehen. Sonst wird die Warteschlange womöglich schneller abgearbeitet, während ihre Ursache bestehen bleibt.
In einem anderen Bericht zur Aufgabenklärung beschreibt Sebastian, wie sich ein Agentenvorschlag mit einem bestehenden Produkt und einer internen Entwicklung überschnitt. Er schlug vor, stattdessen bislang nicht durch Recherche abgedeckte Märkte zu untersuchen.[S4] Prüfen Sie deshalb zuerst, was bereits vorhanden ist und wer zusätzliche Erkenntnisse nutzen würde. Dass ein Prozess fehlt, belegt für sich genommen noch keine wertvolle Geschäftschance.
04 Bevor der Agent allein arbeitet, braucht er jemanden für Ausnahmen
In einem ergänzenden Kommentar stellt Sebastian eine noch konkretere Frage: Wer ist für die Ausnahme verantwortlich? Eine Aufgabe kann regelmäßig anfallen und eine schriftliche Anleitung haben. Trotzdem kann unklar sein, wer schwierige Fälle entscheidet.[S1] Für eine dauerhafte Agentenrolle muss diese Übergabe feststehen.
Bei einem Rechercheagenten könnte die Grenze lauten: Quellen sammeln und einen Entwurf erstellen; widersprüchliche Belege markieren; die verantwortliche Kundenbetreuung entscheidet, was verschickt werden darf. Das ist ein beispielhafter Aufgabenzuschnitt, kein berichteter Einsatz. Beschreiben Sie die entsprechende Grenze für Ihre Aufgabe, bevor Sie Werkzeuge auswählen.
- Verantwortung zuordnen. Wer nimmt das Ergebnis ab, und wer vertritt diese Person?
- Ein nutzbares Ergebnis definieren. Was muss der Empfänger damit tun können, und wie prüft er es?
- Grenzen festlegen. Was passiert, wenn Belege fehlen, ein Zugriff scheitert oder der Auftrag seine Grenzen überschreitet?
Unsere Antwort zur Verantwortung für Agentenfehler vertieft die Zuständigkeitsfrage. Das ABC Framework (EN) hilft dabei, menschliche Aufgaben, gemeinsame Arbeit und delegierbare Abläufe zu unterscheiden.
05 Vergleichen Sie dieselbe Arbeit, bevor Sie die Rolle fest einplanen
Wählen Sie einen begrenzten Satz echter Aufgaben mit gewöhnlichen Fällen und Ausnahmen. Vergleichen Sie den vorgesehenen Ansatz mit der einfachsten plausiblen Alternative: gleiche Eingaben, gleiche Zugriffe, gleicher Qualitätsmaßstab. Halten Sie nutzbare Ergebnisse, menschliche Prüfung, Korrekturen und Fehlschläge fest. Rechnen Sie Einrichtung und laufende Betreuung mit ein. Unser Beispiel zu den Betriebskosten eines Agenten zeigt, warum diese Stunden dazugehören.
Vereinbaren Sie vor dem Test, wie Sie entscheiden: Welche Verbesserung rechtfertigt den Betrieb? Bei welchem Ergebnis würden Sie vereinfachen oder aufhören? Einen allgemeingültigen Grenzwert liefern die Quellen nicht. Er hängt von der Aufgabe, den Folgen möglicher Fehler und Ihrer bisherigen Alternative ab.
Ein guter erster Agent hat eine klare Aufgabe, ein prüfbares Ergebnis und einen Menschen, der bei schwierigen Fällen übernimmt.
Bringen Sie MING Labs eine wiederkehrende Aufgabe, einige typische Eingaben und die Person mit, die heute das Ergebnis verantwortet. Unsere Arbeit an der Hybrid Organisation (EN) beginnt mit der Rolle und ihrem Platz im Team. Besprechen Sie mit uns, ob diese Aufgabe einen Agenten braucht (Kontakt auf Englisch) .
Was diese Entscheidungshilfe belegt
- Eine Entscheidungsmethode: redaktionelle Zusammenführung veröffentlichter Praxiserfahrungen und technischer Hinweise durch MING, geprüft am 2. Oktober 2026. Ein Vergleichstest zwischen Agent und Workflow oder allgemeiner Kostenvorteil wird nicht behauptet.
- Das Support-Beispiel: rund 2.500 Anrufe pro Monat sind Sebastians berichtetes Arbeitsaufkommen. Rohdaten und Messzeitraum sind nicht öffentlich. Die frühere Unterstützung ist ein Vorschlag; eine gemessene Verringerung wird nicht berichtet.[S3]
- Das Marktbeispiel: ein vorgeschlagener anderer Schwerpunkt ohne gemessenes Geschäftsergebnis. Die spekulative Verbesserungszahl aus dem Beitrag wird hier nicht verwendet.[S4]
- Die Quelldaten: LinkedIn zeigte für die drei Beiträge gerundete Zeitangaben. Die Quellenliste nennt deshalb das Abrufdatum und keinen daraus geschätzten Veröffentlichungstag.